Anders sein

Eine Geschichte von Ella Thielecke

Es war einmal ein kleiner Kater. Seine Familie hieß Anderssein. Die Familie war komplett unterschiedlich. Der Vater war rot mit schwarzen Streifen. Die Mutter war grau-schwarz gestreift und ihre Kinder waren alle schwarz. Nur eines hatten die Familienmitglieder gemeinsam. Sie hatten alle einen Beruf übers Anderssein. Her Anderssein war Leiter eines Anderssein-Museums, die Mutter arbeitete als Kassiererin des Anderssein-Museums, ein Katerkind, es war das älteste, wurde später Schriftsteller. Das Hauptthema seiner Bücher war das Anderssein.

Zwei Jahre später, bei der Paarungszeit, fand Frau Anderssein, zu der Familie sollte noch ein Kind gehören. Drei Monate später spielte das neue Familienmitglied schon mit seinen Geschwistern. Frau Anderssein war nun zufrieden, nur eines bedrückte sie. Das Katzenkind war grau-schwarz gestreift, genau wie sie. Herr Anderssein merkte das und sie besprachen sich. Herr Anderssein sagte liebevoll zu seiner Frau: „Aber sie ist stark wie ein Löwe und schön wie das blaue Meer, genau wie Du.“

Da kam die Mutter auf eine Idee. Sie wendete sich ihrem Mann zu und sagte: „Ich habe eine Idee. Wir könnten ihr eine Mutprobe stellen.“ Gesagt, getan. Sie bauten einen Parcours, den das Kätzchen zwei Mal durchführen musste. Und der ging so: Einmal aufs flache Hausdach springen, ein Holzbrett herunterrutschen, am Ende des Brettes auf eine alte Matratze weich aufkommen, über Stacheldraht springen und das alles nochmal zurück. Als das Kätzchen es sah, sagte es entsetzt: „Mama, Papa, ich mag zwar mutig sein und sportlich und vielleicht auch stark, aber deswegen muss ich doch nicht diesen Parcours durchführen! Das ist doch überflüssig.“ Aber Frau Anderssein widersprach. „Aber Kind, wenn Du so mutig bist musst Du es uns aber auch beweisen!“ „Es tut mir leid, Schätzchen,“ sagte der Vater. „Na gut, Papa, dann werde ich es tun. Morgen werde ich den Parcours durchführen. Aber nur aus Familienliebe.“

Am nächsten Morgen wurde das Kätzchen (das übrigens Mizi hieß) von einem Geräusch geweckt. Es war ein hartes, kräftiges Geräusch. Plötzlich schreckte Mizi auf. Denn das laute, kräftige Geräusch war ein Bellen. Und es stammte von einem Windhund. Das hatte Mizi in der Katzenschule gelernt. Und Windhunde haben ziemlich große Beine, sind sehr schnell und jagen Katzen. Dieser Hund, das spürte Mizi, war eine Bedrohung für die ganze Katzenstadt. Fest entschlossen sprang Mizi auf und rannte aus dem Katzenhaus. Sie wollte den Windhund besiegen.

Inzwischen war die ganze Katzenstadt wach, alle rannten, sprangen und miauten aufgeregt durcheinander. In all der Aufregung vergaßen alle den Katzenparcours für Mizi.

Mizi wollte den Hund zwar nicht verletzen, aber verjagen. Sie näherte sich dem bellenden Hund ganz langsam und gab ein leises Fauchen von sich und blieb dann direkt vor dem Hund stehen. Ihr Fauchen wurde immer lauter und lauter und immer lauter. Sie ging noch einen Schritt.

Ihre Eltern hielten die Luft an, und noch ein Schritt, die ganze Stadt hielt inzwischen die Luft an! Dann blieb Mizi stehen. Jetzt stand sie unter dem Kopf des Hundes und gab das lauteste Fauchen von sich, das die Stadt je gehört hatte. So schnell der Windhund nur laufen konnte verschwand er Hals über Kopf aus der Katzenstadt.

Und Mizi wurde in der ganzen Stadt beliebt und musste pausenlos in der ganzen Stadt Autogramme verteilen.

Ende